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Dümmer-Bewirtschaftsplan an Klimawandel anpassen / Entschlammung beginnt

Noch so ein Jahr wäre eine Katastrophe

Es ist ein beeindruckendes Bild, wie der etwa 21 Tonnen schwere Schwimmbagger mit angebautem Tender und Saugrüssel an der Hafenstraße in Hüde über dem Dümmer-Ufer schwebt. Ein Schwerlastkran ließ ihn bei schweren Windböen parallel zur Spundwand ins Wasser. Von dort aus soll er in den kommenden Tagen viele Tonnen Schlamm aus dem See und dem Marler Graben pumpen.

Eben jene Entschlammung ist nach Ansicht der FDP-Fraktion im Rat der Samtgemeinde „Altes Amt Lemförde“ einer von mehreren Punkten, über die zu reden ist.

Vor dem Hintergrund der niederschlagsarmen Sommer der vergangenen zwei Jahre hat sie einen Antrag in den Rat eingebracht, zeitnah eine Konferenz mit den beteiligten und verantwortlichen Behördenvertretern sowie der Politik zu organisieren. Ziel soll sein, gemeinsam Lösungsansätze für Sofortmaßnahmen herauszuarbeiten und zu beschließen. Der Bewirtschaftungsplan des Dümmers müsse an die neuen klimatischen Herausforderungen angepasst werden, so die FDP-Fraktion.

Die Liberalen haben dabei in erster Linie den Tourismus im Blick, aber auch Flora und Fauna stellen die Veränderungen vor Herausforderungen.

Zwar erläuterte Hans-Heinrich Schuster vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz (NLWKN) im vergangenen Juli, dass niedrigere Sommerwasserstände aus gewässerökologischer Sicht auch Vorteile hätten, weil eine Wasserstandsdynamik beispielsweise wichtig ist, damit sich Schilf in Richtung Seefläche ausweiten kann. Trotzdem würde es der Natur mit einem Sommerregelwasserstand erheblich besser gehen, so Schuster.

In ihrem Antrag geht die FDP-Fraktion auf die Auswirkungen für die Segelvereine, die Wassersportler und die Touristiker ein. Weil der Wasserstand in den vergangenen zwei Sommern deutlich gesunken sei, hätten wiederholt Regatten und Trainingslager abgesagt werden, beklagt die FDP. „Die Wirte der Segelclubs verzeichnen erhebliche finanzielle Einbußen. Zunehmend geben Segler ihre Liegeplätze auf. Es droht, dass der Wassersport auf dem Dümmer zukünftig nicht mehr oder nicht in dem bisherigen Umfang möglich ist“, heißt es in dem Antrag.

Die Liberalen weisen darauf hin, dass in diesem Jahr wieder nationale und internationale Regatten am Dümmer ausgerichtet werden. Allein die deutsche Meisterschaft der Optis mit 200 Kindern und deren Begleitpersonen stelle die Seglervereinigung Hüde vor eine große Herausforderung. Mindestens 600 Gäste würden mehr als eine Woche in der Region verbringen. Noch ein Jahr ohne ausreichende Wassertiefe wäre nach Einschätzung der FDP für die Touristikregion eine Katastrophe. „Abgewanderte Regatten kämen wohl nicht zurück an den Dümmer.“

Für den mangelnden Wasserstand sind nach Auffassung der FDP nicht nur die zuletzt niederschlagsarmen Sommer verantwortlich. Schlammberge ragten aus der Wasseroberfläche, und täglich würden tausende Liter Wasser abgelassen.

Besagtem Schlamm rückt derzeit die niederländische Firma Royal Smals mit zwei Schwimmbaggern zu Leibe. Ein Bagger, der den Namen „Pollux“ trägt, wird zunächst im Marler Graben auf rund 300 Metern Schlick und Schlamm lockern und abpumpen. Er besitzt keinen eigenen Antrieb, sondern stakt sich mit zwei Rammrohren Zentimeter für Zentimeter voran. Lediglich die Pumpen werden mit Dieselkraftstoff angetrieben.

„Wir haben bereits acht Kilometer Schwimmrohre quer durch den See verlegt“, berichtete Projektleiter Christian Scholten. Seine Karte zeigt das Depot auf der Westseite des Sees, zu dem Schlamm, Sand und Schlick per Rohr transportiert werden. „Wir benötigen keine weiteren Fahrzeuge“, so Scholten. Der Bagger selbst kann den Schlamm bis zu zwei Kilometer weit wegspülen. „Vom Graben pumpt er bis zu Bagger Nummer zwei, dann weiter zu einem Booster und von dort ins Depot an Land“, erklärt der Projektleiter.

In den vergangenen Tagen wurden bereits auf der Westseite am Olgahafen Sandbänke entfernt. In Hüde werden die Arbeiten rund 14 Tage dauern. Wenn der Graben entschlammt ist, werden weitere Sandbänke begradigt „Der See ist zu dem Zweck auch früher als sonst aufgestaut“, so Scholten.

Melanie Russ / kreiszeitung.de 20.02.2020

 

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